Hey zusammen,
da sind wir wieder – nach vier Tagen Camping und der ersten Nacht in einem richtigen Bett, folgt nun der ausführliche Bericht.
Alles begann am Montagmorgen um halb sieben. Aufstehen, frühstücken, Rucksack packen und dann zur Essensausgabe – diesmal ein richtig großer Haufen wie es schien (es stellte sich aber relativ schnell heraus, dass all dies nicht genug sein würde um jeden vollends zu sättigen – doch das wussten wir ja noch nicht
). Um neun Uhr ging’s dann in den Bus der uns zu unserem Startpunkt brachte – diesmal nicht im Dachsteingebirge sondern in den „Tauern“: Dort bot sich uns ein völlig anderes Bild als noch die Tage zuvor: alles war grün – Bäume und Pflanzen bis hoch auf die Berge, Bäche und Seen überall. Eine willkommene Abwechslung zur vergleichsweise eintönigen Kalksteinwüste des Dachsteins. Nach einer relativ kurzen Tour (ca. 4 Std. und 900 Höhenmeter) erreichten wir unseren ersten Campingspot am Ufer des Giglachsees. Das erste was wir nach dem Aufschlagen der Zelte im Sinn hatten war der Sprung in das doch recht kühle Nass:

Zum Abendessen gab’s Nudeln mit Soße – auf Gaskochern mühsam zubereitet aber dennoch sättigend und schmackhaft. Als die Sonne dann hinter den Bergen verschwand legte sich auch langsam der Trubel auf der Wiese und nach und nach verschwand einer nach dem anderen in seinem blauen Zelt.
Doch nicht für lange: Die aus den Teilnehmern ausgewählten Tagesleiter (einer der glücklichen war ich) mussten um halb sieben wieder raus. Nach einer kurzen Besprechung mit dem Staff und der Routenplanung für den Tag durften wir dann auch die anderen Teilnehmer aus ihren „Betten“ schmeißen. Die Wetterprognose für den Tag war nicht besonders gut und während des Frühstücks holte uns das angekündigte Gewitter auch prompt ein. Nicht jeder konnte sein Müsli und Zelt halbwegs trocken in eine nahegelegene Stallung retten und die Moral sank doch auf einen zwischenzeitlichen Tiefpunkt. Nach einer guten Stunde im Pferdestall und einer Andacht mitten im Pferdemist – aber immerhin trocken – klarte es zum Glück wieder langsam auf. Wir starteten. Jedoch brauchte es einige Stopps unseres Teams bis jeder seine Regenklamotten abgelegt und das seiner Meinung nach passende Tagsoutfit gefunden hatte. Nach einer halben Stunde, 5 Stopps und nicht mal 1 Km ging dann die eigentliche Tour los. Teilweise querfeldein hinauf über den nächsten Berggrad und dann wieder ein Stück hinab zur Lunchbreak.
Was dann folgen sollte, stellt wohl eher eine Rarität dar: Unser Weg führte uns diesmal nicht über, sondern unter dem Berg hindurch – durch eine alte Mine. Kurz vor der endgültigen Dunkelheit dann noch ein kurzer Lichtblick: auf dem Aufstieg zum Minentor entdeckten wir unser erstes Edelweiß – sorry Mädels – es war außer Reichweite^^. Dann hinab in die Dunkelheit – eine tolle Sache wie ich fand – nur, dass alles viel schneller vorbei war, als ich dachte – in der morgendlichen Besprechung war die Rede von etwa einer Stunde für die Mine (was aber anscheinend das Sammeln davor, den Aufstieg und das Sammeln der Gruppe danach beinhaltete), sodass ich doch etwas enttäuscht war als wir schon nach einer viertel Stunde wieder Tageslicht erblickten.
Naja – da ließ sich nichts machen – aber irgendwie war’s doch ne tolle Erfahrung
Danach ging’s nur noch bergab. Der nächste Campingspot lag wieder am Wasser – diesmal zwischen zwei Flüssen nahe einer Hütte:

Am Abend dann erwarteten wir hohen Besuch: Hans Peter Royer himself rannte (und wenn ich rennen sage, dann meine ich das auch) zu unserem Nachtlager hinauf um die nächste Lecture zu halten. Diesmal aber nicht direkt am Campingspot sondern auf der nahe gelegenen Hütte. Und er hatte einiges zum Thema Gebet zu sagen – nicht viele Worte – aber eine praktische und klare Botschaft. Anschließend hatten die Wärme der Hütte, die Aussicht auf ein anderes Getränk als Flußwasser und die leckern „Krapfen“ mit Brombeeren und Puderzucker doch eine große Anziehungskraft auf die meisten Teilnehmer, so das wir den Abend zum größten Teil in der Hütte verbrachten und erst spät den Abstieg zu unseren Zelten in Angriff nahmen. Die Nacht verlief wenig spektakulär – schlafen halt. Und hier wird es dann auch Zeit für mich an Johannes zu übergeben…
Ich werde also jetzt über die nächsten zwei Tage berichten: Der dritte Tag begann mit ein paar Wolken, die unseren Campingspot zu etwas besonderem machten.

Der dritte Tag hatte es dann in sich. Zuerst über einen hohen Berggrad, wieder runter durchs Tal und rauf auf den nächsten Berggrat. Das Wetter war super und wir genossen die vielen super Aussichten. An diesem Tag entschied unser Team als Letztes anzukommen, wir genossen also den Tag und „spazierten“ durch die Landschaft. So hatten wir auch ein paar Minuten Zeit um ein paar lustige Bilder auf einem super Aussichtspunkt zu machen:


Im Hintergrund sieht man das Riesachtal und das Dachsteingebirge.
Nach der Mittagspause überquerten wir einen weiteren Berggrad über ein Schneefeld und hatten danach die Möglichkeit den „Hochgolling“ zu besteigen. Dies ist der höchste Berg in den Tauern und zugleich der letzte wirklich hohe Berg – weiter östlich wird es wieder schnell „flach“. Chris und ich hatten eigentlich gar keine Lust nochmals weitere 500 Höhenmeter hoch- und wieder runterzurennen für eine Aussicht von 2800m, da wir ja schon auf dem Hohen Dachstein waren, der nochmals 200m höher war. Außerdem stand auf dem Schild zum Hochgolling „2 ½ Stunden“ und unsere Instructoren sagten, dass wir eine halbe Stunde für den Aufstieg hätten. Chris ließ sich – im Gegensatz zu mir – nicht überreden und trat den Weg zum nächsten Campingspot an, ich schloss mich einer 10köpfigen Gruppe an und bestieg den Hochgolling. Nach ungefähr 1/3 der Strecke setzten wir (drei aus der Gruppe plus mir) uns von den anderen ab und das Rennen begann. Hätte ich gewusst was für ein Tempo Grady vorlegte, wäre ich nicht gefolgt. Aber dafür war es zu spät. Wir rannten also förmlich den Berg hoch und verloren dann aber leider wegen unserem hohen Tempo den Weg und befanden uns plötzlich vor richtigen Kletterherausforderungen – alles natürlich ohne Klettergurt und Seil – das hatte keiner dabei. Nach ein paar Minuten erreichten wir die „Klettergruppe“ vor uns, die mit Heli und Martin zuvor die schwierige Strecke ausgewählt hatten. Wir schlossen uns also recht unfreiwillig denen an und erreichten dann die Spitze des Hochgolling. Ich war überglücklich heil oben angekommen zu sein, hätte man mir vor 2 Monaten gesagt ich solle da ohne Sicherung hoch hätte ich demjenigen wahrscheinlich einen Vogel gezeigt. Oben angekommen war ich dann heilfroh dass mich Benaja zuvor überredet hatte mit hochzukommen – die Aussicht war überwältigend und noch viel imposanter als vom Hohen Dachstein aus. Und dann flog noch ein Segelflugzeug keine 30m von uns entfernt auf unserer Höhe entlang des Hochgolling und es war einfach wahnsinnig genial, dass wir auf gleicher Höhe mit einem Flugzeug standen. Der Segelflieger war so nah, dass wir die Haarfarbe des Piloten erkennen konnten
Es lässt sich nicht in Worte fassen, was für ein Gefühl man dort oben hat und auch Bilder werden dem nicht gerecht – ich hatte meine Kamera sowieso nicht mit
– ein Punkt an dem ich ein bisschen neidisch auf die Kompaktknipser war….
Nach dem Abstieg und weiteren 900 Höhenmetern runter erreichten wir unseren Campingspot – ein natürliches Amphitheater am Fuße des Hochgolling. Bei mir gab es diesmal Fertigkartoffelbrei mit Maggifertigsoße – gegen den Hunger hat’s ein wenig geholfen – ansonsten war es mehr schlecht als recht.
Für den nächsten Tag wurde ich als „Leader Of the Day“ ausgewählt – wir hatten da so ein lustiges Spielchen, weil es keiner freiwillig machen wollte. Ich sollte also um 6 Uhr aufstehen und die restlichen Leader wecken, ich fiel aber um 10 vor 6 wieder in einen tiefen Schlaf, sodass mich Phillipus (ein anderer LOD) wecken musste. Unser Lunchziel war diesmal der Greifenstein – ein Berg 1000m höher gelegen als unser Campingspot. Eine große Aufgabe also für uns.
Wir erreichten mit 15 Minuten Verspätung die Spitze des Berges und vertilgten sämtliche Reste unserer Verpflegung, denn es war unser letzter Tag.

Nach einer Devotion und einer ausführlichen Gebetsrunde wunderten wir uns, wo alle unsere Instructoren und die beiden Leiter geblieben waren – sie waren ganz heimlich verschwunden. Sie hatten uns nur eine kurze Mitteilung hinterlassen. Und ab dort begann der Spaß: Unsere Aufgabe bestand darin im Team heimzukommen. Leichter gesagt als getan, denn der Tauernhof befand sich ca. 22 km weit entfernt und es lagen 2000 Höhenmeter zwischen uns und Schladming.
Wir starteten also recht zügig und erreichten nach den ersten 1000 Höhenmeter eine kleine Hütte. Unsere erneuten Wegberechnungen ergaben, dass wir 6,5 Stunden bis Schladming brauchen werden, es war aber schon 15:00 Uhr und wir sollten spätestens um 18:30 Uhr ankommen – unmöglich also!
Ein Plan war, dass zwei Leute aus der Gruppe per Anhalter heimfinden, die Autos holen und den Rest der Gruppe abholen – das hätte aber gegen die Regeln verstoßen, denn auf unserer Mitteilung stand, dass wir in einer Gruppe bleiben sollen.
Chris Team jedoch legte die Anweisungen geschickt aus, sie kamen um 18:00 Uhr in Schladming an, nachdem eben zwei Teammitglieder die Autos in Schladming geholt hatten. Ich entschied für unsere Gruppe, dass wir es zusammen mit einem anderen Team schaffen könnten heimzulaufen, denn der Weg war nun eine richtige Straße und wir hatten in der letzten Stunde 6 km hinter uns gelassen und hatten noch 1,5 Stunden für 10 km. Mir schien es machbar.
Unterwegs dann aber gab es heftige Probleme in unserem Team, ein paar Mädels wollten keine Hilfe annehmen, waren aber viel langsamer und ein anderer rannte vorne weg und scherte sich nicht ums Team. Zu diesem Zeitpunkt war ich nicht glücklich darüber heute der LOD zu sein, aber wir mussten da durch. Als es dann 18:00 Uhr war tauchten plötzlich zwei Tauernhofbusse auf und wollten uns alle mitnehmen, die Aufgabe war extra unlösbar gestellt, sie wollten wissen, wie wir damit umgehen.
Da wir aber mittlerweile schon so weit waren, wir die Schmerzen in unseren Füßen schon nicht mehr spürten und voller Elan waren es zu schaffen entschlossen sich ein paar aus unserem Team und ein paar aus dem anderen Team trotzdem den Weg zurückzulaufen und es den Instructoren so richtig zu zeigen – der Ehrgeiz war geweckt und wir in Hochstimmung es allen mal so richtig zu zeigen.
Wir „überhörten“ also die Aufforderungen unserer Instructoren einzusteigen und starteten durch. Dann zog ein Gewitter auf und wir genossen den warmen Regen obwohl unsere Füße uns mit jedem Schritt sagten: „Why didn`t you choose the van“ (Zitat Grady).
Schlussendlich kamen wir fix und fertig, völlig durchnässt (auf Regenkleidung hatte keiner Lust) und stinkend aber überglücklich um 19:00 Uhr am Tauernhof mit einer halben Stunde Verspätung an. Gerade noch rechtzeitig zum Abendessen. Wir genossen das warme und schmackhafte Hähnchen in unseren nassen Klamotten und fühlten uns wie wahre Helden….
Die warme Dusche samt lautstarker AC-DC-LifeCD rundete unseren dann doch genial Tag mit vielen Höhen und Tiefen gelungen ab. Wir waren so ausgepowert, dass wir sogar überlegten uns Stühle mit in die Dusche zu nehmen, da uns das aufrechte Stehen aufgrund der Fußschmerzen große Probleme bereitete. Wir schaffen das Duschen doch gerade noch so ohne, aber ich nutzte die Gelegenheit beim Zähneputzen den vor dem Bad stehenden Stuhl mit ins Bad zu nehmen, da nach einem späten Döner in der Stadt, zu dem Chris mich überredet hatte, auch der letzte Funke Energie verschwunden war.
So endete also unsere Campingtour im Grünen, heute hatten wir frei um unsere Ausrüstung zu waschen und zu präparieren, denn morgen früh geht es wieder los zu unserer wahrscheinlich letzten Tour hier.
Liebe Grüße – die Hochgebirgscamper
Chris und Johannes